Zeitspiel – nein Danke!

von Tom am 23. Februar 2007 

in 1. Bundesliga, International

In der Bundesliga war dieses Thema eigentlich schon lange ein Problem, und meines Erachtens wird es immer schlimmer. Die Rede ist vom Zeitspiel. Kaum führt eine Mannschaft wird schon ab der 10. Spielminute Zeit geschunden wo immer es geht. Jede Ausführung einer Standardsituation dauert plötzlich doppelt so lange, Spieler bleiben nach vermeintlichen Fouls minutenlang liegen, Torhüter halten den Ball gerne mal 10 Sekunden und länger in der Hand, wenn er nicht gerade mit dem Ball am Fuß wartet, dass ein Gegenspieler ihn angreift, um den Ball dann schnell aufzunehmen, und auch Spieler die ausgewechselt werden sollen, stehen plötzlich am anderen Ende des Spielfeldes, um einen langen Weg bis zur Bank zu haben.


Beispiele gibt es genügend, vor allem Torhüter treiben es oft auf die Spitze. Mir fällt da auf Anhieb beispielsweise Piplica ein, wie er im Auswärstspiel von Cottbus gegen den HSV einen misslungenen Torversuch der Hamburger mit der Brust noch von der Torauslinie kratzt und sich dann Richtung Eckfahne in die letzte Ecke des Strafraumes begibt, um dann zu warten, bis ein Hamburger auf die Idee kommt ihn mal anzugreifen. Gut, dass ist von der Sache her kein Regelverstoß, zeigt aber die Einstellung vieler Spieler.

Jedenfalls nervt das, und zwar gewaltig! Ich finde sowas muss doch nicht sein, es ist einfach ätzend solche Unsportlichkeiten hinnehmen zu müssen. Doch Schuld daran haben nicht nur die Spieler, die natürlich alles tun was in ihrer Macht steht, um das Ergebnis zu retten. Schuld daran sind vor allem auch die Schiedsrichter bzw. der DFB.

Die Spiele im UEFA-Cup und in der Champions League zeigen doch, dass es auch anders geht. Das Problem des Zeitspiels kann man eigentlich relativ einfach umgehen, nur benötigt es dazu Schiedsrichter, die es auch als solches ahnden und die entsprechenden Konsequenzen ziehen. Aber da sind die meisten Bundesliga-Schiedsrichter einfach viel zu inkonsequent, achten garnicht auf diese Unsportlichkeiten, geschweige denn verteilen sie Strafen dafür. In internationalen Wettbewerben sind 4 bis 5 Minuten Nachspielzeit absolut keine Seltenheit, in der Bundesliga dagegen kann im Spiel noch so viel passieren, da wird oftmals ein 3:3 exakt nach 90 Minuten abgepfiffen, wenn es hoch kommt gibt es mal 2 Minuten extra. Ich habe das Gefühl, dass die Schiedsrichter oftmals froh sind, das Spiel möglichst schnell zu beenden, damit ihnen kein grober Fehler mehr unterlaufen kann.

Doktor Fussball rät dem DFB hiermit folgendes: Sensibilisiert die Schiedsrichter doch bitte auf sowas! Vor allem darauf, Zeitspiel auch entsprechend lange nachspielen zu lassen und es mit Karten zu ahnden. Das wird bei den Spielern einen Lerneffekt haben. Denn wer würde schon auf Zeit spielen, wenn er genau weiß, dass die Zeit nachgeholt wird? Wenn ein Spieler genau weiß, dass er für das kleinste Zeitspiel eine Karte sieht, womöglich die fünfte in der laufenden Saison, dann wird er es schön lassen, auf Zeit zu spielen.

Und auch an die Fans appelliert Doktor Fussball, pfeift solche Konsorten gnadenlos aus, egal ob er vom Gegner oder der eigenen Mannschaft ist!

Im übrigen hinkt der Fußball bei diesem Thema hinter anderen Ballsportarten hinterher, Handball und Basketball sind nur zwei Beispiele für Sportarten, bei denen Zeit exakt gestoppt wird und damit das Thema Zeitspiel entfällt. Wollen wir nicht hoffen, dass es so weit kommen muss!

{ 3 comments }

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olaf_15017 02.23.07 at 18:28

In der NFL gibt es folgende Regel: Muss das Spiel wegen einer Verletzung unterbrochen werden (d.h. ein Spieler kommt nicht sofort selbst wieder auf die Beine, sondern Betreuer müssen aufs Feld), dann darf der Spieler im nächsten Spielzug nicht mitspielen. Das wär doch mal was für den Fussball. Wenn sich ein Spieler verletzt auf dem Boden herumrollt und Betreuer aufs Feld kommen, dann bekommt der Spieler z.B. eine 2minütige Erholungspause bevor er wieder wie eine junge Gazelle über den Platz hüpfen darf. ;)

2

cons 02.25.07 at 16:11

zeit stoppen wäre völlig unrealistisch im fussball. widerspricht auch der maßgabe, dass die regel sowohl intenational als auch in der kreisklasse umgesetzt werden können sollen. ich bin aber ansonsten genau eurer meinung.

3

chris 12.09.08 at 16:08

Wenn sich ein Spieler verletzt und Betreuer aufs Feld müssen dann MUSS der Spieler sowieso vom Feld und bis er dann wieder rein kommt dauert es auch gut und gerne mal 2 Minuten. Kommt aufs gleiche raus oder?

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