Warum das More-Goal von Helmut Löhr seinem Namen nicht gerecht wird

von Tom am 10. März 2008 

in Allgemeines

Helmut Löhr von Sportgeräte 2000 durfte schon für drei Europameisterschaften und die WM2006 in Deutschland die Tore bauen. Eine neue Geschäftsidee hat ihn jetzt gepackt, die dem Fußball mehr Tore bescheren soll. Nun will Löhr auch für die EM2008 die Tore liefern, und zwar seine neue Variante, die sich rein theoretisch dank “Fifaregelkonformität” auch sofort in Betrieb nehmen ließen. Aber nicht nur seine Angabe von “durchschnittlich 1-3 Pfosten- und Lattentreffer je Spiel” ist Unfug, sondern auch die Konstruktion der neuen Pfosten und Latten scheint undurchdacht. Doktor Fußball zeigt warum.


Der neue Torrahmen soll statt der ovalen Form wie bisher eine Art Dreiecksfläche als Querschnitt haben, mit der langen Seite nach innen Richtung Spielfeld gedreht. Bei einem geraden Schuss auf den Pfosten, würde die Neuerung dazu führen, dass der Ball nicht wie bisher wieder gerade zurückprallt, sondern in das Tor gelenkt wird. Alles klar, in diesem Fall tut das More-Goal das, was es soll.

Wohl vergessen hat Herr Löhr dabei wohl, wie oft dies in einem Spiel vorkommt. Wie viele von den “durchschnittlich 1-3 Pfosten- und Lattentreffer je Spiel” treffen denn tatsächlich frontal auf das Gehäuse? Als geneigter Zuschauer muss ich sagen, dass diese Schüsse doch eher selten sind. Meiner Wahrnehmung zur Folge kommt es doch viel häufiger vor, dass der Ball auf Innenpfosten oder Unterlatte trifft – diese landen aber auch heute fast immer im Tor.

Viel schlimmer noch stellt sich das More-Goal jedoch in den Fällen dar, in denen der Ball von außen, also aus spitzem Winkel, Richtung Tor fliegt. Trifft man heutzutage aus sehr spitzen Winkel den langen Pfosten, kann der Ball auch im Netz landen, denn der ovale Pfosten neigt sich auch in Richtung des Inneren vom Tor. Der neue Pfosten würde dies nicht zulassen, jeder Ball aus spitzem Winkel würde in das Feld zurück prallen.

Und was ist bei Schüssen auf den kurzen Pfosten? Diese landen heute mitunter wieder im Spielfeld, so hat die angreifende Mannschaft die Chance, durch Nachsetzen doch noch ein Tor zu erzielen. Beim More-Goal würden diese immer im Toraus landen. Allenfalls bei Lattentreffern könnte ich mir eine höhere Torquote vorstellen.

Also nichts da mit mehr Toren im Fußball. Das More-Goal stellt sich für mich eher als Less-Goal heraus. Eine ganz nette Geschäftsidee vielleicht, doch nett ist der Bruder von scheiße!

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Dirk Bordiehn 08.15.10 at 22:41

Lieber spät als nie …
Ich kann Ihnen nur widersprechen.
Ich habe mittels Computersimulation nachgewiesen, dass die Torhäufigkeit mit dem MoreGoal-Profil tatsächlich besser wird. Schüsse ins kurze Eck werden besser, ins lange Eck schlechter, frontal ist ebenfalls besser. Dies ist in der Simulation sehr schön nachzuweisen. Im Test ist das viel schwieriger. Versuchen Sie mal den Pfosten absichtlich zu treffen. Und dann versuchen Sie’s mal 10mm weiter innen …
Natürlich gehe ich in der Simulation davon aus, dass alle Schussrichtungen gleich häufig vorkommen. Wenn Sie also sagen, das bestimmte Richtungen kann ich das nicht entkräften, aber zumindest von der Theorie her – und nichts anderes ist die Simulation – gehen mit dem MoreGoal-Profil mehr Bälle rein.
:-)
Dirk Bordiehn

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