Warum Modernes manchmal tödlich ist

von Markus am 4. März 2008 

in Allgemeines

Dies ist ein Gastartikel von Julian. Er ist ein Autor des Blogs Flankengeber und berichtet regelmäßig über Spiele und Neuigkeiten aus der Welt des Fußballs. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der 1. und 2. Bundesliga. Neben Spielberichten und Live-Tickern kommentiert Flankengeber das Fußballgeschehen auch kritisch und subjektiv. Mehr dazu auf www.flankengeber.de

Videobeweis – ja oder nein? Diese Diskussion ist am Wochenende neu entfacht. Wir erinnern uns: Beim Bundesligaspiel zwischen Bremen und Dortmund erkannte Schiedsrichter Dr. Markus Merk das 1:0 durch Rosenberg an, obwohl der Stürmer klar im Abseits stand.

„Sowas kommt vor“ kann man sich jetzt denken. Merk beurteilt die Situation jedoch fairerweise anders: Der Weltschiedsrichter konnte sich die Szene direkt nach seiner falschen Beurteilung auf den Videotafeln im Weserstadion ansehen. Obwohl er seinen Fehler erkannte, den Treffer konnte Merk selbstverständlich nicht wieder aberkennen. In der Bild-Zeitung plädierte er jetzt – anders als viele seiner Kollegen – für die Einführung des Videobeweises in umstrittenen Situationen: “In unserer heutigen Zeit mit ihren medialen Möglichkeiten lässt sich jede strittige Szene in einer Minute aufschlüsseln Eine falsche Entscheidung kann nie eine gerechte sein.”


Wie das in der Praxis aussehen soll, bleibt offen. Ich sehe es jetzt schon vor mir: Trainer die mitten im Spiel den Schiedsrichter anschreien, er solle doch mal auf dem Bildschirm seine Entscheidung überprüfen. Spieler, die ein Vergehen nicht mehr abstreiten, sondern einfach erhobenen Hauptes auf den Videowürfel über ihnen zeigen. Oder sollte der Schiedsrichter entscheiden, wann er einen Blick auf die Monitore riskiert? Wird jetzt nach jedem Foul die Wiederholung abgewartet, bevor der Unparteiische entscheidet, welches Team den Freistoß bekommt? Oder greift die Regel nur bei Abseitsentscheidungen? Wie auch immer, die Frage, die sich stellt lautet: „Sollte so moderner Fußball aussehen?“ Sicherlich passt sich der Sport den technischen Möglichkeiten seiner Zeit an, die Schiedsrichter tragen Headsets, in Sekunden lassen sich strittige Szenen aufschlüsseln, aber um den Videobeweis bei diesen Entscheidungen einzuführen, bedarf es einer Menge Kopfarbeit. Falsche, unpraktische oder überhastete Regelungen können die Freude am Fußball vollends zerstören.

Bis dahin ist es aber ohnehin noch ein weiter Weg. DFB-Präsident Theo Zwanziger räumte zwar ein, dass der Videobeweis „technisch denkbar“ sei, eine Entscheidung in dieser Frage hängt aber ohnehin von der FIFA ab. Und Sepp Blatter ist bekanntlich gar kein Fan dieses Modells. Auch die UEFA-Schiedsrichter sprachen sich gegen die Einführung eines Videobeweises aus. Vielleicht ist das auch besser so. Strittige Entscheidungen gehören zum Fußball nämlich einfach dazu.

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