Stuttgart: Anspruch und Wirklichkeit

von Markus L. am 5. November 2008 

in 1. Bundesliga

Der VfB – noch vor anderthalb Jahren als Überraschungsmeister gefeiert – droht im Mittelmaß zu versinken.

Nach vier Niederlagen in den letzten fünf Pflichtspielen ist die gute Ausgangssituation in der Bundesliga und im internationalen Wettbewerb erst einmal dahin. Im Liga-Alltag wurden die Spieler vergangenen Samstag nach dem 1:3 zuhause gegen Aufsteiger Köln mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Kabinen verabschiedet, im Uefa-Cup geht es nach der Auftaktniederlage in der Gruppenphase gegen Sevilla am Donnerstag schon um alles. Ohne einen Sieg zuhause gegen Partizan Belgrad dürfte die Zwischenrunde kaum noch zu erreichen sein.

Auch die Kritik am einst so gefeierten Duo Veh/Heldt wächst. In der Meistersaison wurde die Transferpolitik noch über den grünen Klee gelobt. Bis auf Alex Farnerud (spielt inzwischen bei Bröndby) schafften es damals alle in die Stammelf. Seitdem ist in zwei Spielzeiten allerdings bis auf Jens Lehmann kein einziger Neuzugang hinzugekommen, der regelmäßig von Beginn an eingesetzt wird. Die Verträge mit dem bestehenden Personal aus der so erfolgreichen Saison 06/07 wurden (zu entsprechend besseren Konditionen) verlängert und führen dazu, dass der Verein mittlerweile die drittteuerste Mannschaft der Liga stellt.
Der einzige Hofnungsschimmer ist und bleibt die eigene Jugend. Das Potential, das in der zweiten Mannschaft schlummert und durch die neugegründete Dritte Liga hochklassige Spielpraxis erhält, scheint unerschöpflich. Aussichtsreichster Kandidat im Moment scheint Christian Träsch, der Anfang Oktober gegen Bremen mit seinem Traumtor auf sich aufmerksam machte.

Das größte Problem liegt aus meiner Sicht allerdings im Trainerstab. Auffallend ist, dass gerade gegen die “kleinen” Mannschaften nicht mit der nötigen Konzentration zu Werke gegangen wird. Auch wenn in Berlin und Hamburg verloren wurde: Die Einstellung stimmte und die Spiele hätten mit ein wenig Glück auch ein positives Ende nehmen können – die beiden letzten Heimspiele in der Liga gegen Bochum und Köln waren quasi eine Offenbarung. Mannschaften, die spielerisch zwei Klassen schlechter sind als der VfB, haben einerseits keine Mühe hinten “dicht” zu halten und können nebenbei noch für zahlreiche gefährliche Offensivaktionen sorgen.
Das ist aus meiner Sicht eine Sache des Trainers. Dessen Pflicht ist es, die Mannschaft so auf den Gegner einzustimmen, dass der Einsatz maximal und somit das Potential auch vollständig ausgespielt wird. Meine persönliche Hoffnung als VfB-Fan ist es, dass die Niederlage gegen Köln eine gewisse “reinigende Wirkung” hatte. Bereits am Donnerstag Abend im Uefacup-Heimspiel gegen Partizan Belgrad muss (und wird?) eine andere Mannschaft auf dem Platz stehen.

Wohin geht der Weg des VfB? Was passiert mit Thomas Hitzlsperger, der als Mannschaftskapitän offenbar komplett überfordert ist? Was macht Armin Veh – verlängert er doch, oder verlässt er zum Saisonende den Verein? Die nächsten drei Wochen werden wohl richtungsweisend sein. Dann wird man sehen, ob der Anschluss an die Tabellenspitze der Bundesliga wieder hergestellt werden konnte. Dann wird man sehen, ob der Uefa-Cup auch in 2009 Station in Stuttgart macht.

Prognose? Unsicher, durchwachsen. Augen zu und durch.

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newskick.de
11.05.08 um 23:34

{ 7 comments }

1

heinzkamke 11.06.08 at 12:56

Leider stimmt diese Einschätzung weitgehend mit meiner eigenen überein. Allerdings fällt es mir derzeit schwer, noch zuzustimmen, dass der VfB spielerisch zwei Klassen besser sei als die genannten Gegner. Vielleicht können sie den Ball besser und länger quer spielen; überraschende spielerische Elemente in der Vorwärtsbewegung sind jedoch Mangelware, mitunter fehlen sie komplett.
Gerade wegen dieser Mängel in der Spielgestaltung macht sich der nicht so richtig spürbare Siegeswillen (Einsatz) ganz besonders bemerkbar.

Der im Text verlinkte Bochum-Artikel ist allerdings veraltet; er bezieht sich auf das Vorjahr. Betrachtungen zum diesjährigen Bochum-Spiel gibt es bei der Hirngabel und bei angedacht.
Disclaimer: Letzteres ist von mir.

2

Markus 11.06.08 at 14:30

Dass die Mannschaft Fußballspielen kann, hat sie gegen Bremen, aber auch in Hamburg und Berlin bewiesen. Warum klappt es gegen die vermeintlich starken Teams, gegen das Kanonenfutter (auf dem Papier) hingegen nicht? Gegen Köln hätte der VfB niemals verlieren, eigentlich nicht einmal ein Tor kassieren dürfen.
Dass so etwas nicht passiert, dafür muss der Trainerstab nebst Psychodocs oder was weiß ich sorgen. Die Einstellung muss passen – gegen Bremen und auch bei einem Heimspiel gegen Varna.

Übrigens danke für den Hinweis wegen dem Bochumlink. Habe ihn durch deinen ersetzt ;)

3

heinzkamke 11.06.08 at 14:49

Gegen Bremen und in Hamburg bin ich absolut bei Dir, Hertha sehe ich etwas anders, weil man dort zwar mehr vom Spiel hatte, aber meines Erachtens nicht zielgerichtet nach vorne spielte.

Und dass wir vollkommen einer Meinung sind, was den fehlenden Siegeswillen anbelangt, hatte ich ja schon vorher geschrieben.

Aber heute abend wird ja alles besser.

4

Markus 11.07.08 at 09:35

Na das war doch mal ein verdienter Sieg gestern Abend. Hat zwar lange gedauert bist das Tor fiel, aber dann schlug Gomez ja gleich doppelt zu.

5

Markus 11.07.08 at 11:18

Das Ergebnis ist zufriedenstellend, die Spielweise über große Teile der Begegnung auch. Hoffentlich gehts auch so weiter ;)

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Tom 11.07.08 at 11:42

Mit Gomez in guter Form kann der VfB halt einiges reißen. Ohne ihn leider weniger…

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heinzkamke 11.07.08 at 15:52

habe ich in Kommentar Nr. 1 tatsächlich “Disclaimer” statt “Disclosure” geschrieben?! Tststs…

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