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Nach Michael Ballack hat Bundesjogi Löw nun auch sein Gespräch mit Meuterer Nr. 2 Torsten Frings hinter sich gebracht. Während Ballack bekanntlich noch eigens von England nach Frankfurt reisen musste, trafen sich Frings und Löw dieses Mal in der Bundeshauptstadt. Doch was ist die Quintessenz dieses Gesprächs?
Frings wird nicht aus der Nationalmannschaft geworfen. Er kann, laut Löw, „ein wichtiger Mann sein, der sich aber dem Konkurrenzkampf im Mittelfeld stellen muss“. Nach einer Entschuldigung von seiten des Bremers soll ihn der Bundestrainer nun offenbar begnadigt haben. Allerdings stellt sich die Frage: Will er das? In der vom DFB veröffentlichten Presseerklärung wird Frings zwar zitiert, dass es für ihn klar sei, keine Sonderrechte aufgrund seiner Leistungen in der Vergangenheit zu genießen. Genau das klang Anfang Oktober bei den beiden WM-Qualifikationsspielen gegen Russland und Wales allerdings noch völlig anders.
Aus meiner Sicht sind das nichts anderes als leere Worte. Nicht nur Ballack, der letztendlich nur sein Amt des Mannschaftskapitäns etwas zu optimistisch auslegte, auch Frings geht extrem geschwächt aus dieser Smalltalk-Runde. Löws Autorität wurde ebenso nachhaltig geschwächt. Und es geht noch weiter: Warum zum Teufel bekommt eigentlich ein Kevin Kuranyi kein Gespräch unter vier Augen? Ist dieser etwa nicht „wichtig“ genug? Hat dieser Fall etwa nicht die nötige Medienpräsenz? Werden in der Nationalmannschaft etwa zwei getrennte Süppchen gekocht? Eine Entwicklung, die den kritischen Fußballfan beschäftigt, über die sich der kritische Fußballfan wundert und die der kritische Fußballfan zu hinterfragen hat.
Was genau unterscheidet den Fall Frings vom Fall Kuranyi? Beide waren über ihre Nichtberücksichtigung unzufrieden. Unterschied: Kuranyi wird seit zweieinhalb Jahren nicht bzw. nur sporadisch eingesetzt, Frings nur zwei Spiele ignoriert. Beide Spieler haben im Frust nachgetreten und mit Rücktritt aus der Nationalelf gedroht. Unterschied: Kuranyi hat die Mannschaft zwischen zwei Länderspielen verlassen, Frings nicht. Der Verdacht liegt auf der Hand: Löw misst hier mit zwei verschiedenen Maßen. Auf Kuranyis Position hat Löw offenbar ausreichend Ersatz, dann kann man einen Rebellen getrost „entsorgen“. Bei Frings hingegen ist die „Endgültigkeit“ gefährlich. Wer sagt, dass man nicht doch noch auf ihn zurückgreifen muss? Was macht man, wenn die plötzlich aufgetauchte Konkurrenz im Mittelfeld schwächelt? Hier muss man sich als verantwortlicher Bundestrainer eben ein Hintertürchen offenhalten.
Auf der einen Seite nachvollziehbar – für Kuranyi sicherlich ein weiterer Schlag ins Gesicht. Fingerspitzengefühl Fehlanzeige.
Schade eigentlich.
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{ 6 comments… lies sie oder schreibe selbst einen }
heinzkamke 11.07.08 at 11:27
“Beide Spieler haben im Frust nachgetreten und mit Rücktritt aus der Nationalelf gedroht. Unterschied: Kuranyi hat die Mannschaft zwischen zwei Länderspielen verlassen, Frings nicht. Der Verdacht liegt auf der Hand: Löw misst hier mit zwei verschiedenen Maßen.”
Die Endgültigkeit bei Kuranyi bedaure ich aus sportlichen Gründen ebenfalls. Ich bin auch Deiner Meinung, dass Löw mit zweierlei Maß misst, finde aber, dass dem aus gutem Grund so ist. Mag sein, dass die jeweilige sportliche Bedeutung eine nicht unwichtige Rolle bei Löws Entscheidung gespielt hat; der “Unterschied: Kuranyi hat die Mannschaft zwischen zwei Länderspielen [bzw. während eines Länderspiels] verlassen, Frings nicht” ist jedoch meines Erachtens ein so gravierender, dass er unterschiedliche Vorgehensweisen mindestens rechtfertigt, eher sogar erfordert. Was nicht heißt, dass ich Frings “Strafe” (welche Strafe?) für ausreichend halte.
Dass Kuranyi in den Monaten und Jahren zuvor einen schwereren Stand hatte als manch anderer, sehe ich zudem ganz genauso.
Markus 11.07.08 at 12:10
Ich finde das Verlassen des Stadions jetzt nicht soo schlimm. Zumal ich nicht wissen will was Frings getan hätte, wenn er statt auf der Bank oben unter den Zuschauern gesessen hätte
Kuranyis Reaktion kann man evtl. mit dem Stichwort “Affekt-Handlung” begründen? Sicherung durchgebrannt da zutiefst verärgert/gekränkt/missverstanden.
Ich finde Löw hätte ruhig auch noch ein drittes Gespräch führen können – wenn er schonmal dabei ist.
egghat 11.07.08 at 12:18
Es wird mit zweierlei Maß gemessen, weil es zwei unterschiedliche Fälle sind! Du schreibst es doch selber:
“Beide Spieler haben im Frust nachgetreten und mit Rücktritt aus der Nationalelf gedroht. Unterschied: Kuranyi hat die Mannschaft zwischen zwei Länderspielen verlassen, Frings nicht.”
Kuranyi hat die Mannschaft zwischen zwei Spielen verlassen und ist damit defakto selber zurückgetreten. Frings hat “nur” gemosert und mit Rücktritt gedroht. *DAS* ist der Unterschied.
Ganz nebenbei ist Frings bei der WM doch nicht dabei, weil er im Moment einfach nicht gut genug spielt. Als 6er muss er einen teil der schlechten Bremer Abwehrleistung verantworten.
Die Erfahrung zeigt, dass die wenigsten Spieler in dem Alter aus dem Loch nochmal herauskommen. Nicht einmal Weltfußballer Lodda hat das geschafft.
Und Kuranyi? Vermisst den jemand? Ich kenne viele Kernschalker und bis zu seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft ist der AUF SCHALKE ausgepfiffen worden. Das ist Höchststrafe!
Markus 11.07.08 at 12:35
Na so einfach kann man sich’s aber nicht machen. Dass Kuranyi selbst zurückgetreten ist, das war eine erste Pressemeldung. Ein/zwei Tage später hat er seine Tat ja bereits wieder bereut. Genau genommen wurde er rausgeschmissen, alles andere ist nur die blumige Außendarstellung für die Öffentlichkeit.
Dass es in der Nationalmannschaft (meistens) nach dem Leistungsprinzip geht, ist klar. Natürlich musste Frings pausieren, weil es schlechte Leistungen gebracht hat (wobei die Werderabwehr in den vergangenen Jahren nicht viel besser war
)
Und Kuranyi vermisse ist genauso wenig wie du. Einen größeren Anti-Stürmer muss man in der Bundesliga erstmal suchen.
Tom 11.07.08 at 13:21
Bei Kuranyi gebe ich euch größtenteils Recht. Jedoch muss man auch sehen, dass an einem Miroslav Klose monatelang festgehalten wurde, obwohl er nicht traf und auch sonst miserabel gespielt hat. Somit wird doch mit zweierlei Maß gemessen.
Stefan 11.08.08 at 07:37
Bei Klose bestand ja die berechtigte Hoffnung, dass er sein altes Niveau wieder erreicht.
Kuranyi hatte leider nie ein Niveau, auf das man hoffen konnte…