Der Neid, der Schnee… was auch immer

von Markus am 24. November 2008 

in 1. Bundesliga

Ich weiß nicht genau, was mit Christoph Daum los ist. Schon immer ist er bekannt für seine Aussagen und Interviews, denen jeglicher Bezug zur Realität fehlt. Früher schob man das auf Daums Kokain-Konsum. Heute ist er jedoch angeblich clean, also gibt es keinen Grund mehr für selbstherrliches und unprofessionelles Geschwätz in den Pressekonferenzen.

Dennoch hat Christoph, dem Jürgen Kohlers Spitzname gut stehen würde, am Samstag nach dem Spiel gegen Hoffenheim wieder zugeschlagen und zum verbalen Gegenschlag ausgeholt. Getreu nach dem Motto: wenn man auf dem Platz schon keine Leistung bringt, dann doch wenigstens dem Gegner unsportliches Verhalten vorwerfen. Das lenkt wenigstens vom schlechten Fußball ab.

Dieses Saubermann-Image der Hoffenheimer hat heute einen dunklen Fleck bekommen [...] Die tun immer so, als seien sie der nette Dorfverein, aber das war das Unfairste, was ich hier im Stadion von einer Mannschaft gesehen habe

Irgendwie wird er mir immer unsympathischer. Ich kann Uli Hoeneß’ Abneigung gegenüber Daum immer mehr nachvollziehen. Gibt es jemanden, der seine Art und Weise in Ordnung findet?

{ 6 comments }

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Hirngabel 11.24.08 at 12:02

Naja, ich sag mal so: Daum hat da vermutlich einfach dem kölschen Fußball-Volk nach dem Mund geredet.

Ich habe jedenfalls selten ein Stadion erlebt, dass sich vom Anpfiff an, derart in die Rolle des zu Unrecht verfolgten Opfers hineingesteigert hat. Beinahe jede einzelne Entscheidung gegen Köln war “falsch” und wurde mit “Schieber, Schieber”-Rufen von der Tribüne und ständigem Reklamieren auf und am Platz bedacht.
Dabei war der Schiedsrichter wirklich exzellent und einer seiner beiden Fehler, die ich ihm attestieren kann, war noch, dass er Mondragon nicht vom Platz geschmissen hat.

Als ich dann zu Hause ankam und Daums Interviews sah, hab ich echt gedacht, ich fall aus allen Wolken. Den scheint die Atmosphäre im Stadion wirklich derart hochgeputscht zu haben, dass er jeglichen Realitätsnahen Bezug zum Spiel verloren hatte. Sich da nachher so hinzustellen, nachdem seine Mannschaft 70 Minuten schlecht gespielt hat und vorwiegend durch Reklamieren, Härte und Diskutieren aufgefallen ist, ist wirklich ein Hohn.

2

Markus 11.24.08 at 12:39

Es ist halt bemerkenswert wie oft Christoph Daum sich völlig unpassend in der Öffentlichkeit ausdrückt. Das ist alles andere als professionell. Dazu kam auch noch, dass das ein Spiel gegen Hoffenheim war. Hoffenheim ist mittlerweile ja einer der Vereine, der am meisten polarisiert: die einen lieben sie für ihren tollen Fußball, die anderen hassen sie.

3

Norman 11.24.08 at 15:37

Der Kokser lebt doch in einer völlig anderen Welt. Das bekommt man doch schon mit wenn er über seine Saisonziele mit den Kölnern redet. Ich mag den Daum auf jeden Fall nicht. Schon dieses nervöse hin und her gegucke bei jedem Interview, als wenn der Angst hat das er verfolgt wird oder so.

4

Herr Wieland 11.24.08 at 21:37

@ Hirngabel: Du warst in Köln, im Stadion?
Kannst Du denn was zu der Szene sagen, die Daum meint, als er der Hoffenheimer Bank das fordern einer roten Karte vorwarf?

Bislang habe ich keine TV-Bilder dazu sehen können. Scheinbar hat das niemand eingefangen. Erstaunlich genug. Und auch erstaunlich, dass sich die große Mehrheit in Fußballdeutschland grundsätzlich darüber das Maul zerreißt, wenn ein Fußballspieler beim Schiri eine rote Karte fordert, sich nun aber über Herrn Daum aufregt, wenn der im Prinzip genau dasselbe tut. Ist halt nicht so sympathisch, der Herr Daum, und bietet eben Angriffsflächen. Herr Klopp darf da schon 30 cm höher hüpfen, nehme ich an.

5

Markus 11.25.08 at 11:22

@ Herrn Wieland: Naja, Daum regt sich zwar auf, dass Hoffenheim eine rote Karte gefordert hat, aber angeblich hat niemand eine Karte gefordert, wohingegen Daums Spieler offensichtlich kurze Zeit später die Gelb-Rote gefordert haben.

Meiner Meinung nach darf auch ein Herr Klopp das nicht. Ich finde sein Rumgehampel und sein Auftreten gegenüber den Schiedsrichtern ebenso zweifelhaft wie Daums Aussagen.

6

hirngabel 11.25.08 at 13:36

@Herr Wieland

Ja, ich war im Stadion. Ob jetzt die Hoffenheimer Bank in extremer Art eine rote Karte gefordert hat, mag ich nicht beurteilen, da ich ganz aussen auf der Südtribüne saß und mehr damit beschäftigt war, das Foul mit meinen Sitznachbarn auszudiskutieren (klarer Tenor basierend auf dem Realgeschwindigkeitseindruck: Rot).
Insgesamt war die Situation aber “normal”, wie sie in jedem Stadion, an jedem Spieltag auftritt, wenn ein hartes Foul direkt vor der Bank des gefoulten Spielers stattfindet. (Dass ich die Reklamiererei von dort nicht gutheisse steht auf einem anderen Blatt, aber es ist dennoch alles aus der Distanz betrachtet “business as usual” gewesen).

Das Problem, dass ich mit Daum habe, ist nicht, DASS er kritisiert, die Hoffenheimer hätten Rot gefordert. Diese Kritik könnte ich nämlich durchaus unterstützen.
Das Problem ist zum einen das “Wie” und zum anderen das, was sich vor und nach dieser Situation alles während des Spiels vorgefallen ist.

Denn sich als verfolgtes Opfer hinzustellen und eindeutig in die Richtung Verschwörungstheorie zu gehen (Hoffenheim wird soo bevorzugt), war nach diesem Spiel, in dem der Schiedsrichter eher noch Hoffenheim benachteiligt hat (Mondragon hätte Rot bekommen müssen), einfach nur lächerlich.
Hinzu kommt dann noch, dass vor allem seine Mannschaft (speziell Mondragon und Petit) dadurch auffiel, dass von Beginn an beinahe jede Entscheidung gegen den FC reklamiert und heftig ausdiskutiert wurde.

Und sich dann hinterher hinzustellen, und sich über reklamierende Gegner beschweren – dazu gehört schon eine riesige Portion Realitätsverlust dazu.

Wenn er gesagt hätte, Hoffenheim und wir müssen einfach darauf achten, dass wir in der hitzigen Atmosphäre nicht selbst dauernd protestieren und reklamieren – gut, kann er gerne tun. Aber hier zu versuchen, den Gegner so enorm zu diskreditieren, während man sich selbst keinen Deut besser, sondern eigentlich noch viel schlimmer verhalten hat, das muss man kritisieren.

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