Der Kaiser und der Querulant

von Markus am 12. Februar 2007 

in 1. Bundesliga, Transfers

Bernd SchusterBernd Schuster, Spitzname “Blonder Engel” (bitte nicht verwechseln mit Ansgar Brinkmann, der ist der “Weiße Brasilianer”), steht derzeit hoch im Kurs beim FC Bayern München als möglicher Nachfolger von Ottmar Hitzfeld zur neuen Saison. Aktuell trainiert Schuster noch den Madrider Vorortverein FC Getafe, mit dem er auf Rang acht der spanischen Primera Division verweilt. Franz Beckenbauer bekundete bereits öffentlich seine Sympathie zum verkanten Mittelfeldgenie vergangener Tage.

Er ist immer ein Thema. Er hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Und er hat einen sehr, sehr guten Namen.

In Getafe scheint Schuster sein vorzeitiges Glück nach meist weniger erfolgreichen Trainerstationen bei Köln, Xerez, Donezk und Levante gefunden zu haben. Falls Schuster überhaupt Interesse an dem Münchner Bayern bekunden sollte, stellt sich allerdings die Frage, ob Schuster für die Aufgabe des Trainers dort der richtige Mann ist? Ein Blick auf seinen Lebenswandel offenbart doch einige Kuriositäten in der Laufbahn des begnadeten Fussballers Bernd Schuster.


Bernd Schuster, der wohl beste deutsche Fussballer, der nie bei einer Weltmeisterschaft mitgespielt hat, galt lange Zeit als der Querulant des deutschen Fussballs. Durchzechte Nächte bei Getreide und Obst in Flüssigform verhalfen Schuster zum Image des Fussball-Rebellen, der sich nicht links oder rechts, nicht bei A oder B einordnen möchte. Maßgeblich an diesen Eskapaden schuld war auch seine Frau Gaby, selbst dem Manager-Titan Rainer Calmund, war dieses Superweib nicht geheuer: “Ich hatte noch nie einen so harten Verhandlungspartner wie Frau Schuster.”, stammelte Calli nach dem Wechsel des blonden Engels von Athletico Madrid zu Bayer 04 Leverkusen.

Gaby Schuster war es wohl auch, die ihrem Mann die Teilnahme an einer WM versagte. Sie forderte damals 1986 1 Million Mark vom DFB, damit ihr Mann Bernd in Mexiko für Deutschland aufliefe. DFB-Boss Hermann Neuberger konnte 300.000 Mark auftreiben, doch das reichte Gaby bei weitem nicht. Ihr Mann musste zu Hause bleiben und sich die Spiele im Fernsehen angucken. Reichlich Kritik hagelte es danach von der deutschen Presse. Stets geliebt und gehasst zugleich, musste sich Schuster aber wahrscheinlich während seiner Zeit in Spanien noch mehr Attacken aussetzen, als er es schon in Deutschland tat.

“Weil ich mehr verdiente als sie, haben mich meine Kollegen beim FC Barcelona anfangs so gehasst, dass sie beim Training versuchten, mich absichtlich zu verletzen.”

Nach nur 21 Länderspielen erklärte das Genie Schuster seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Franz Beckenbauer machte keinen Schritt damals auf Schuster zu, der wollte vielleicht – Gaby ließ ihn aber nicht. Nationalmannschaft spielen, das bringt Ehre – aber kann ich Ehre in bare Münze umtauschen? Und gerade dieser Franz Beckenbauer, Sturkopf von damals, Sturkopf von heute, will nun jenen Bernd Schuster seinem FC Bayern München anvertrauen. Dem wohl arrogantesten, aber auch talentiertesten deutschen Fussballer aller Zeiten. Dem Mann, der Stefan Effenberg alles beigebracht hat, was der jemals konnte? Franz, das könnnen wir doch nicht wirklich glauben. Auf der anderen Seite – Sprüche wie: “Keiner muss so gut spielen wie ich früher”, die haben wahrscheinlich schon deine Spieler 1990 in Rom vor dem Finale gehört. Bernd Schuster streut sie noch heute in der Kabine ein. Ihn wieder in der Bundesliga zu sehen, das wäre wahrscheinlich der schönste Augenblick für mich seitdem Jürgen Klinsmann 1995 die Bundesliga wieder aus dem Schlaf wach küsste und zu neuem Glanz führte. Hätten wir schon drei Brüder im Geiste. Beckenbauer, Klinsmann, Schuster – alle geniale Fussballer gewesen. Der eine etwas arroganter als der Andere – die Mischung passt gut zum FCB.

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Bernd Schuster wird Trainer von Real Madrid | Doktor Fußball
09.12.09 um 09:38

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