Bremens größter Irrtum

von Markus am 18. Januar 2008 

in 1. Bundesliga

Es ist noch nicht allzu lange her, da war man landläufig der Meinung in Bremen sei die Welt noch in Ordnung, Idyllisch an Weser und Nordsee gelegen konnte eigentlich niemand den Nordlichtern etwas anhaben oder sogar vorwerfen. Und auch genau diese Idylle herrschte beim SV Werder Bremen vor. Thomas Schaaf, mittlerweile 8 Jahre erfolgreicher Trainer bei den Bremern, galt als die Integrationsfigur im deutschen Fussball – ein Mann, der sie einfach alle trainieren und zu Topleistungen führen kann. Große Stars wie auch bisher noch unbekannte Kicker. Daneben an der Seitenlinie steht Klaus Allofs, der unfehlbare Manager.


Jeder Einkauf, jede Neuverpflichtung schlägt ein und wird in Bremen eine ganz große Nummer. Miroslav Klose, Ailton, Micoud, Diego, Naldo, Ismael – einfach alle. Doch nun kam er, Carlos Alberto, das 23 Jahre alte Rohjuwel aus Sao Paulo. Dank guter Überredungskünste und knapp 8 Millionen Euro im Handgepäck konnte man ihn aus dem warmen Brasilien und vom Transferrechte-Inhaber MSI loseisen. Dass man dabei den Ligarivalen HSV im Kampf um die Verpflichtung ausstechen konnte, war ein nur allzu süßer Beigeschmack.

Und nun, ein knappes halbes Jahr und gerade einmal 44 Bundesligaminuten später, steht man vor den Trümmern der Verpflichtung eines exzentrischen Spielers. Schlafstörungen, Grippen und was weiß ich nicht alles hatte Carlos Alberto im Angebot. Zu viel Coca-Cola trank er angeblich vor dem Schlafen gehen, zu viele nächtliche Discobesuche hielt er ab, zu viele Schlaftabletten nahm er ein. Immer wieder wurde man vertröstet mit Sätzen wie: „Der brauch noch ein bisschen bis er sich komplett eingewöhnt hat, der kommt schon noch!“. Doch auch irgendwann läuft das Fass bei den ruhigen Norddeutschen über. Spätestens nach der angezettelten Schlägerei mit Boubacar Sanogo war man sich an der Weser klar: „Der muss hier weg!“.

„Vielleicht kommt irgendwann ein Punkt, wo man sagen muss, es passt nicht.“ (Thomas Schaaf)

Von Ausleihe nach Sao Paulo ist jetzt die Rede. Für 1,5 Millionen kehrt der Samba-Kicker zurück in die warme Heimat – dass man einen Teil seines Millionengehalts mitbezahlen muss, das wird heimlich, still und leise natürlich vom unfehlbaren Allofs verschwiegen und zeigt doch wieder, dass auch er nur ein ganz normaler Bundesligamanager ist. In Hamburg lacht man sich unterdessen jedoch schlapp. Zum Glück haben wir den doch nicht bekommen, mag man sich wohl an der Elbe denken. Das macht zum Teil wieder gut, dass „Bobbycar“ Sanogo einschlägt wie eine Bombe.

Mitschuld an der Misere Carlos Alberto ist wohl auch bei Diego und Naldo zu suchen. Integrieren sollten die Beiden ihn, den Weg weisen. Immerhin letzteres scheinen die Beiden geschafft zu haben. Die Bremer Disco „Modernes“ musste jedenfalls kaum ein Wochenende ohne seinen Star auskommen. Auf dem Trainingsplatz sah das schon anders aus.

{ 3 comments }

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Easyfunk 01.18.08 at 13:31

Der kommt nochmal zurück, denke ich. Und dann wird er für Furore sorgen. Wahrscheinlich…

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Markus 01.18.08 at 15:38

Ich finde, dass Bremen in den letzten Jahren wirklich außerordentlich gute Transfers getätigt hat, auch wenn jetzt mal einer nichts wird. Wobei ich auch denke, dass es noch nicht vorbei ist mit ihm und Bremen, nach der Ausleihe gibts sicher noch eine Chance!

3

fussball-szene.de 01.20.08 at 20:58

Herr Wieland (Drei Ecken, ein Elfer) regt sich über den Präsidenten von Schalke 04, Josef Schnusenberg, auf. Der übertreibt es mit der Öffentlichkeitsarbeit und markigen Sprüchen in letzter Zeit etwas.
Blogbeitrag: Warum, Herr …

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